Schweißnähte an Stahltragwerken sicher prüfen – so geht’s
Prüfen Sie Schweißnähte an Stahltragwerken im Industriebau systematisch nach den Vorgaben der DIN EN 1090. Diese Checkliste hilft, Mängel frühzeitig zu erkennen, Haftungsrisiken zu minimieren und die baurechtliche Sicherheit sicherzustellen.
Warum diese Checkliste?
Unsichere Schweißverbindungen an tragenden Stahlkonstruktionen gefährden die Statik und bergen erhebliche Haftungsrisiken. Baurechtliche Anforderungen nach DIN EN 1090 werden oft erst bei der Endabnahme geprüft – zu spät für kostengünstige Korrekturen. Mit dieser Checkliste prüfen Sie bereits während der Fertigung, ob Schweißnähte den Normvorgaben entsprechen. So vermeiden Sie Nacharbeiten, sichern die Dokumentation und erfüllen die Anforderungen an die Konformitätsnachweise.
Die Checkliste: Prüfung nach DIN EN 1090
Verwenden Sie diese Punkte als Vorlage für ein standardisiertes Prüfprotokoll. Jeder Punkt muss dokumentiert und abgehakt werden.
- Bauteilidentifikation: Bauteilnummer, Bauabschnitt, Position im Tragwerk
- Schweißnahtbezeichnung: Normgerechte Angabe nach ISO 2553 (z. B. Kehlnaht, b = 6 mm)
- Schweißverfahren: Verfahren gemäß WPS (z. B. MAG, WIG) – Abgleich mit Prüfzeugnis
- Schweißerqualifikation: Prüfnummer des Schweißers, Gültigkeitsdatum – dokumentiert im Schweißprotokoll
- Sichtprüfung (VT): Frei von Rissen, Poren, Überschweißung, Unterwölbung, unvollständiger Durchdringung
- Maßhaltigkeit: Nahtbreite, An- und Absetzer, Kehlenmaß – nach Zeichnung und WPS
- Oberflächenqualität: Keine Spritzer, Rillen oder Kerben, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen
- Dokumentation: Eintrag im Schweißplan, Prüfprotokoll mit Datum, Prüfer, Ergebnis (ok/abweichend)
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Diese Mängel tauchen in der Praxis immer wieder auf. Wer sie kennt, kann gezielt prüfen.
- Fehlende oder ungültige Schweißerqualifikation: Schweißer arbeiten außerhalb ihres zugelassenen Bereichs. → Lösung: Vorab Prüfung der Qualifikationsdokumente, zentrale Liste führen.
- Abweichung vom WPS: Falsches Verfahren, falsche Parameter (Spannung, Vorschub). → Lösung: WPS am Arbeitsplatz verfügbar halten, Stichprobenkontrolle.
- Unvollständige Durchdringung an Kehlnähten: Häufig an Ecken oder schwer zugänglichen Stellen. → Lösung: Gezielte Sichtprüfung mit Spiegel, ggf. Endoskopie.
- Porenreiche Oberfläche: Durch falsche Gaszufuhr oder Schmutz. → Lösung: Grund- und Zusatzwerkstoff vor dem Schweißen reinigen.
- Fehlende Dokumentation: Schweißplan nicht aktualisiert, Prüfprotokoll lückenhaft. → Lösung: Digitale Erfassung direkt nach der Prüfung – kein „nachträglich ergänzen“.
Häufige Fragen
Muss jede Schweißnaht dokumentiert werden?
Ja. Nach DIN EN 1090-2 muss jede Schweißverbindung in tragenden Bauteilen dokumentiert werden – mindestens durch einen Schweißplan und Prüfprotokolle.
Welche Prüfverfahren sind verpflichtend?
Die Sichtprüfung (VT) ist immer erforderlich. Je nach Bauteilklasse (CC1 bis CC3) können zusätzlich Röntgen (RT) oder Ultraschall (UT) nötig sein. Die Anforderungen ergeben sich aus der Bauteilqualitätsklasse.
Wer darf Schweißnähte prüfen?
Die Sichtprüfung darf der Bauleiter oder qualifizierte Fachkraft durchführen. Für zerstörungsfreie Prüfverfahren (UT, RT) ist eine zertifizierte Person nach DIN EN ISO 9712 erforderlich.
Was tun bei einer Abweichung?
Die betroffene Naht muss markiert und gemäß Reparatur-WPS nachgearbeitet werden. Die Nacharbeit und erneute Prüfung sind vollständig zu dokumentieren.
Wie lange sind die Prüfprotokolle aufzubewahren?
Mindestens zehn Jahre – entsprechend der baurechtlichen Verjährungsfrist für Mängelansprüche.
Reicht ein handschriftliches Protokoll?
Ja, aber nur, wenn es lückenlos, lesbar und unveränderlich ist. Digitale Lösungen reduzieren Übertragungsfehler und erleichtern die Auffindbarkeit.
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