Die Zinsspirale droht

Lars Feld, Wirtschaftsberater und Ordoliberal, warnt vor einer sich verstärkenden Zinsspirale in Europa. Ansteigende Renditen an den Kapitalmärkten, besonders bei Staatsanleihen, könnten sich zu einer Kettenreaktion entwickeln. Jede Zinserhöhung erhöht die Schuldenlast weiter – was wiederum neue Zinsschritte notwendig macht.

Warum die EZB machtlos wirkt

Die Europäische Zentralbank verliert an Einfluss, da ihre traditionellen Instrumente an Grenzen stoßen. Mit der Geldpolitik kann sie kurzfristige Zinsen beeinflussen, doch langfristige Renditen werden am Markt bestimmt. Steigt das Risiko von Staatspleiten – etwa in Frankreich oder Italien – reagieren Investoren mit Flucht in sicherere Anlagen, was die Zinsen für andere Länder in die Höhe treibt.

Einordnung für die Bauwirtschaft

Für Bauunternehmen bedeutet das: Finanzierungskosten steigen. Kredite für Investitionen, Maschinen oder Bauprojekte werden teurer. Gleichzeitig könnte die Nachfrage nach Bauleistungen zurückgehen, wenn öffentliche Haushalte wegen hoher Zinslasten Projekte streichen oder verschieben. Auch private Bauherren reagieren sensibel auf steigende Baufinanzierungskosten.

Was bedeutet das für Bauunternehmen?

Steigende Zinsen erhöhen nicht nur die Kosten für Eigenkapitalbeschaffung, sondern wirken sich auch auf Ausschreibungen aus. Unternehmen müssen kalkulieren, ob langfristige Projekte bei unsicherer Finanzlage noch rentabel sind. Besonders betroffen sind Betriebe, die auf Kredite angewiesen sind oder in öffentlichen Auftrag vergeben.

Praxisbeispiel

In Italien mussten Städte bereits Baumaßnahmen für Schulen und Infrastruktur verschieben, weil die Finanzierungskosten durch explodierende Zinsen untragbar wurden. Ähnliche Szenarien könnten sich auch in Deutschland abzeichnen, wenn die Zinsbelastung weiter steigt und die öffentliche Hand spart.