Checkliste zur fachgerechten Planung von Lüftungskanälen in Passivhäusern
Warum diese Checkliste
In Passivhäusern ist die Lüftungsanlage kein Zusatz, sondern zentrales Bauteil. Fehler in der Kanalplanung führen direkt zu Schimmel, hohen Betriebskosten oder Systemausfällen. Diese Checkliste fasst die kritischen Punkte zusammen, die Handwerker und Planer vor Ort nicht übersehen dürfen – mit Fokus auf Dichtigkeit, Wärmebrücken und Geräusche.
Die Checkliste
1. Luftwechsel und Dimensionierung (Pflichtfeld: Luftmengen-Berechnung nach Raumtyp)
- Mindestluftwechsel nach Raum: 0,5 h⁻¹ (Wohnräume), 1,0 h⁻¹ (Bäder, WC, Küche)
- Maximaler Druckverlust: ≤ 150 Pa im Gesamtsystem
- Rohrdurchmesser anhand Volumenstrom (m³/h) und zulässiger Strömungsgeschwindigkeit (max. 5 m/s in Hauptleitungen) wählen
2. Dichtigkeit der Kanäle (Pflichtfeld: Prüfprotokoll nach EN 12599)
- Alle Verbindungen vor Verkleidung druckprüfen (mind. 500 Pa Differenzdruck)
- Verwenden Sie nur zertifizierte, dichte Systeme (z. B. mit Dichtklasse A nach DIN EN 17192)
- Keine Selbstklebenden oder lose sitzenden Verbindungen in beheizten Bereichen
3. Wärmebrückenvermeidung (Pflichtfeld: Isolationsnachweis)
- Vollflächige, lückenlose Isolierung mit λ ≤ 0,035 W/(mK), Dämmstärke min. 50 mm
- Keine metallischen Durchdringungen oder Halterungen ohne Wärmebrückenunterbrechung
- Kanalverläufe nicht durch unbeheizte Bereiche führen (z. B. Dachboden ohne Heizung)
4. Geräuschdämmung (Pflichtfeld: Schallpegel an Abstrahlorten)
- Schalldämpfer an Zuluft- und Abluftseite des Geräts einbauen
- Kanäle nicht direkt an Decke oder Wände montieren – elastische Aufhängung mit Schallentkopplung
- Strömungsgeräusche vermeiden: keine abrupten Querschnittsänderungen oder 90°-Krümmer
5. Kondensatvermeidung (Pflichtfeld: Neigung und Kondensatableitung)
- Abluftkanäle mit mindestens 2 % Gefälle zum Gerät hin verlegen
- Kondensatableitung mit Siphon am unteren Punkt einplanen
- Keine Kältebrücken: Dämmung auch an Verbindungsstellen lückenlos
Typische Fehler
- Leckagen durch falsche Verbindungstechnik: Verwendung von Standard-Blechkanälen ohne Dichtung statt Systemkanäle mit integrierter Dichtung
- Wärmebrücken an Befestigungspunkten: Metallhalterungen direkt durch Dämmung – Lösung: Wärmebrückenarme Halter oder Distanzhalter
- Falsche Neigung: Abluftkanal flach oder rückwärts geneigt → Kondensat läuft nicht ab, verursacht Schäden
- Schallbrücken durch direkte Montage: Kanal fest an Betondecke – Geräuschübertragung in angrenzende Räume
- Zu kleine Kanäle: Erhöhter Druckverlust, Lüfter arbeitet stärker → höherer Stromverbrauch, geringere Luftwechselrate
Häufige Fragen
Muss jede Verbindung geprüft werden?
Ja. Bei Passivhäusern gilt: Keine Sichtprüfung ersetzt den Drucktest. Nur so ist Dichtigkeit nachweisbar.
Kann man flexible Kanäle verwenden?
Nur in Ausnahmen (z. B. letzte Meter zum Diffusor). Flexible Kanäle haben höhere Druckverluste und sind schwer dicht zu halten.
Wo platziert man Schalldämpfer?
Direkt am Austritt des Lüftungsgeräts – sowohl Zuluft- als auch Abluftseite. Bei langen Kanälen ggf. zusätzliche Dämpfung in Nähe der Räume.
Wie kontrolliert man die Dämmung?
Sichtprüfung vor Verkleidung: Dämmung muss lückenlos, faltenfrei und überlappend verlegt sein. Besonderes Augenmerk auf Bögen und Anschlüsse.
Was tun bei Kondensat im Kanal?
Sofort prüfen: Ist das Gefälle gegeben? Ist die Dämmung intakt? Bei Schäden: Kanal öffnen, trockenlegen, Neigung korrigieren.
Gibt es Vorgaben für den Kanalweg?
Ja. Möglichst kurze, direkte Wege planen. Jeder Bogen erhöht den Widerstand. Keine Kanäle durch unbeheizte Zonen ohne zusätzliche Dämmung.
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