Dachrinnen und Fallrohre in Altbauten prüfen – so geht’s sicher
Alte Dachentwässerungssysteme verlangen besondere Aufmerksamkeit. Was bei Neubauten selten ein Thema ist, wird in historischen Gebäuden zur kritischen Sicherheits- und Erhaltungsfrage: veraltete Materialien, mangelnde Wartung, unsichtbare Schäden. Diese Checkliste hilft Handwerkern, Bauleitern und Hausverwaltern, systematisch zu prüfen – und Schäden frühzeitig zu erkennen.
Warum diese Checkliste?
In Altbauten sind Dachrinnen und Fallrohre oft über Jahrzehnte ohne gründliche Inspektion geblieben. Die Folgen: Wasserschäden an Fassaden, Putzabplatzungen, feuchte Keller, Frostschäden im Winter. Normen wie die DIN 1986-100 oder DIN EN 12056 sind häufig nicht erfüllt. Diese Checkliste fokussiert sich gezielt auf typische Schwachstellen historischer Systeme – von Gusseisenrohren bis hin zu verrosteten Befestigungen – und ermöglicht eine dokumentationsfähige, praxisnahe Begehung.
Die Checkliste
Bei jeder Prüfung sind folgende Punkte systematisch abzuarbeiten und dokumentieren:
1. Sichtprüfung von oben (Dachzugang erforderlich)
- Zustand der Dachrinne: Rost, Risse, Verformungen, lose Verbindungen
- Vorhandensein und Zustand von Laubschutzgittern oder Abdeckungen
- Verstopfungen durch Laub, Schmutz, Nistmaterial
- Anschlüsse an Dachflächen: Dichtigkeit, Überstände, Übergänge
- Neigung der Dachrinne: Sichtprüfung auf ausreichende Gefälle (mind. 2–3 mm/m)
2. Sichtprüfung von unten (Fassade, Boden)
- Zustand der Fallrohre: Korrosion, Dellen, lose Halterungen, fehlende Stücke
- Anschlüsse zwischen Dachrinne und Fallrohr: Dichtheit, Stabilität
- Fallrohrmündung: Ablauf ins Freie oder in Sammelschacht? Freier Ablauf gewährleistet?
- Umgebung der Fallrohrmündung: Schäden am Mauerwerk, feuchte Stellen, Pflanzenwuchs
- Befestigungselemente: Halterungen rostfrei? Schrauben vollständig?
3. Funktionstest (bei Regen oder künstlicher Bewässerung)
- Wasserablauf in Dachrinne: Stauungen, Überläufe
- Durchfluss in Fallrohren: Geräusche, Verstopfungsanzeichen
- Undichtheiten an Übergängen oder Verbindungsstellen sichtbar machen
- Ablaufmenge am Ende des Systems kontrollieren
4. Dokumentation (Pflicht für Haftung und Wartungsplanung)
- Fotos von Schadstellen, Zustand vor und nach Maßnahme
- Eintrag in digitales Prüfbuch (z. B. BauCockpit) mit Datum, Ort, Befund
- Priorisierung: Sofortmaßnahme, Beobachtung, planmäßige Instandsetzung
Typische Fehler bei der Prüfung
- Nur Sichtkontrolle von unten: Schäden an der Dachrinnenaussenseite oder Verstopfungen im Inneren werden übersehen.
- Kein Funktionstest: Ohne Wasserfluss bleibt undichte Stelle unsichtbar.
- Ignorieren von Befestigungen: Lose Halterungen führen zu Ablösen – besonders bei Schneelast oder Eisbildung.
- Fehlende Dokumentation: Bei Schadensfällen fehlt der Nachweis ordnungsgemäßer Wartung.
- Keine Prüfung im Herbst und Frühjahr: Laub im Herbst, Eis im Winter – saisonale Risiken werden unterschätzt.
- Falsche Reparaturmaterialien: Kunststoffdichtungen an Gusseisenrohren können durch Materialermüdung scheitern.
Häufige Fragen
Warum ist die Prüfung in Altbauten anders als in Neubauten?
Altbauten nutzen oft Gusseisen, Zink oder historische Befestigungstechniken. Diese Materialien altern anders, sind empfindlicher gegen Korrosion und erfordern spezifisches Know-how bei Reparatur und Wartung.
Wie oft sollte eine Prüfung erfolgen?
Mindestens zweimal jährlich: vor und nach der Wintersaison. Bei bekanntem Schaden oder historischem System: vierteljährlich.
Reicht eine Foto-Dokumentation?
Nein. Fotos müssen mit Text, Datum, Standort und Befund ergänzt werden. Für Verwaltungen und Versicherungen ist eine strukturierte Prüfliste notwendig.
Was tun bei verstopften Fallrohren aus Gusseisen?
Nicht bohren oder hämmern – das Risiko des Bruchs ist hoch. Sanftes Spülen mit Wasser oder Druckluft, ggf. fachgerechte Demontage. Bei fortgeschrittenem Rost: teilweiser Austausch unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes prüfen.
Ist die Prüfung normkonform, wenn ich diese Liste nutze?
Die Liste orientiert sich an den Anforderungen der DIN-Normen und ermöglicht eine nachvollziehbare Dokumentation – Grundlage für normgerechtes Handeln. Vollständige Konformität erfordert ggf. zusätzliche Maßnahmen je nach Gebäudeklasse.
Jetzt umsetzen
Sichern Sie sich die komplette Prüfliste als druckbare PDF-Vorlage mit allen oben genannten Feldern – inklusive Platz für Unterschrift, Datum und digitale Einbindung. Mit BauCockpit lässt sich die Checkliste direkt in Ihre Wartungsprozesse einbinden, dokumentieren und an Teammitglieder verteilen. So bleibt nichts offen – und jeder Schritt ist nachweisbar.